Wie die GAP 2028 Biobetriebe gefährden könnte
Als Teil des neuen EU-Haushalts plant die Europäische Union aktuell eine neue Gemeinsame Agrarpolitik, kurz GAP 2028. Diese sieht einige abrupte Änderungen für landwirtschaftliche Gelder vor, die besonders für die Region Neckar-Alb schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen könnten. Wir haben den Binsenberghof bei Burladingen besucht, um mehr zu erfahren.
Auf dem Binsenberghof kann man sich wirklich auf der Alb fühlen. Schon seit vielen Jahren setzt der Hof auf umweltfreundliche Bioproduktion, seit kurzem hat er auch auf Heumilch umgestellt. Sogar die Kälber trinken hier frische Milch direkt vom Euter. Das ist mehr, als die meisten Betriebe ihnen bieten. Doch die scheinbar perfekte, ländlich idyllische Landschaft bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich.
"Unsere Flächen sind zu 70% FFH-kartiert", erklärt Micha Riehle, einer der Leiter des Hofs. "Und dadurch haben wir mehr Auflagen als andere Betriebe, die diese Kartierung nicht haben, und müssen uns auch an Richtlinien für dieses FFH-Gebiet halten."
FFH ist kurz für „Flora Fauna Habitat", ein geschütztes Naturgebiet. Das bedeutet, dass das Land von Bauern erhalten werden muss, mit weniger Dünger, Habitatsschutz und effektiv weniger Rindern auf mehr Hektar Land. All das wird aus EU-Geldern mitfinanziert. Zumindest bis jetzt.
"Uns macht es extreme Sorgen gerade, was in Brüssel diskutiert wird für die Agrarförderung ab 2028." Larissa Zacke ist stellvertretende Geschäftsführerin von Bioland e.V. und Experte im Thema. "Wir haben gerade geopolitisch sich verändernde Prioritäten und ein zentraler Aspekt ist, dass die Mittel, die die EU für Agrarförderung bereitstellt, um 20% reduziert werden sollen."
Wie auch auf Bundesebene wird in der EU immer mehr Geld für Verteidigung und Aufrüstung ausgegeben – weniger bleibt für alles andere übrig. Und nicht nur der Betrag wird kleiner, auch die Verteilung soll sich in der neuen Haushaltsperiode ändern. Bisher ging das Geld in zwei zentrale Säulen, wie Zacke erklärt:
"Ein Teil der Gelder durfte von den Mitgliedstaaten mit der Gießkanne verteilt werden. Das bedeutet, jeder Hektar, egal was für ein Hektar das ist, ob es eine Ackerfläche ist, ob es eine Grünlandfläche ist, ob sie intensiv bewirtschaftet wird oder extensiv, bekam quasi einen Grundbetrag."
Zusätzlich zu dieser ersten Säule, die 75 Prozent der EU-Gelder ausgemacht hat, ging der Rest in Umwelt- und Innovationsmaßnahmen. Auch ein Viertel der ersten Säule durfte hierhin fließen. Diese Gelder sollen regional erwünschte Formen von Landwirtschaft unterstützen, wie beispielsweise die Bebauung von FFH-Gebieten und Düngerverzicht.
Über viele Jahre gingen immer mehr Gelder von der ersten Säule in die zweite. Ein Zeichen für Landwirte, dass umweltbewusstere Landwirtschaft der Weg der Zukunft war. Knapp drei Viertel aller deutschen Betriebe hatten 2024 an Öko-Regelungen oder ähnlichen Programmen teilgenommen. Jetzt sollen diese Maßnahmen weggekürzt werden.
Zacke erklärt die Begründung: "Die EU sagt sozusagen: Ihr bekommt jetzt weniger Geld. Dafür, liebe Mitgliedstaaten, dürft ihr mit dem Geld jetzt machen, was ihr wollt. Sie ermöglicht, bis zu 90% dieser EU-Mittel in die Fläche zu geben, sodass eben nur ein ganz, ganz geringer Teil nach dem heutigen Stand übrig wäre, um konkrete Leistungen zu honorieren."
Das trifft besonders die Betriebe hart, die stark in die umweltfreundliche Landwirtschaft gegangen sind – oder es mussten. Höfe wie der Binsenberghof kommen nicht darum herum, im FFH-Gebiet zu stehen. Sie dürfen ihr Land gesetzlich nicht anders bebauen. Für Betriebe in der Region könnte die neue Regelung existenzgefährdend sein.
Micha Riehle und seine Familie sehen eine echte Bedrohung: "Für uns im Zollernalbkreis wird es wahrscheinlich ein sehr großes Problem sein. Wir bekommen, der Zollernalbkreis, sehr viele Gelder aus diesen Umweltmaßnahmen für Landwirte. Da denke ich werden schon viele Berufskollegen in Bedrängnis kommen."
Wie eine Studie des Thünen-Instituts zeigt, ist der Zollernalbkreis mit am stärksten im ganzen Bund von den EU-Mitteln abhängig. Zwar erlaubt die neue Regelung Mitgliedsstaaten, EU-Gelder für Ökomaßnahmen zu nutzen, doch von jetzt an muss jeder so eingesetzte Euro zu 30% vom Staat mitfinanziert werden. Und in Zeiten, in denen weitläufig gespart wird, sehen die Chancen dafür alles andere als realistisch aus.