Universitätsstadt will Fassadenbegrünung vorantreiben
Wie lassen sich Hausfassaden begrünen und welche Vorteile hat das? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Stadt Tübingen gemeinsam mit dem Bundesverband GebäudeGrün - kurz BuGG - am Dienstag zum Forum im Tübinger Rathaus eingeladen. Fachleute aus Politik, Forschung und Wirtschaft informierten dabei rund ums Thema Fassadenbegrünung und luden zum Austausch ein.
Was Sie hier sehen ist keine Zimmerpflanze, sondern ein Ausstellungsstück der Firma Helix für vertikale Begrünungssysteme. Sie sind eines von sechs der anwesenden Unternehmen, die im Rahmen des BuGG-Forums ihr Angebot vorstellen.
Bewachsene Fassaden sollen aber nicht nur schick aussehen, sondern bringen laut BuGG-Präsident Gunter Mann auch eine Reihe praktischer Vorteile mit. Gerade in Tübingen sei in Sachen Fassadenbegrünung noch etwas Luft nach oben: "Als wir jetzt nach Tübingen reingefahren sind, haben wir gemerkt: 'Es könnte hier mehr Fassadenbegrünung sein'", merkt Mann an.
Ihmzufolge birgt Fassadenbegrünung eine Reihe an Vorteilen: "Optisch ist das eine, aber es ist Lärmschutz, es ist natürlich eine Kühlleistung, was wir bei den heißen Sommern unbedingt brauchen. Überall, wo wir Wasser speichern können oder verdunsten können, haben wir eine Kühlleistung."
Ebenfalls wertvoll ist Fassadenbegrünung für die Artenvielfalt. Das veranschaulicht Landschaftsarchitekt Daniel Lindemann. Mit seinem Konzept für die Begrünung des Parkhauses hip P20 in Heidelberg habe er Lebensraum für 200 Fledermäuse und bis zu 70.000 Bienen geschaffen – ganz von der Vielfalt an Pflanzenarten abgesehen.
Dass Tübingen enormes Potenzial für Fassadenbegrünung birgt, weiß der Klima- und Umweltschutzbeauftragte Bernd Schott. Er scherzte, dass auf die 34% Grünen im Gemeinderat auch mindesten 34% Grün im Stadtbild folgen sollten. "Wir haben ein Förderprogramm, das die Artenvielfalt im Siedlungsbereich fördert: Baumpflanzungen, aber auch Balkonkästen, und ein Teil davon ist auch die Fassadenbegrünung", erklärt Schott.
"Wir haben einfach eine dichte Stadt mit vielen Baukörpern, und da gibt es auf jeden Fall doch Flächen, die man entsiegeln und begrünen könnte", so der Klima- und Umweltschutzbeauftragte. Entsiegelung ist ein Stichwort, das während der Veranstaltung häufiger fiel. Die Vorteile davon, Asphalt, Beton und Pflastersteine zu entfernen und dafür natürliche Flächen freizulegen sind der Stadt bekannt.
Gunter Mann hofft, mit dieser Veranstaltung den ein oder anderen Stein ins Rollen zu bringen. "Wir wollen in Kooperation mit den Städten so ein Stück weit initiieren", verrät der BuGG-Präsident.
"Wie ich angeführt habe, könnten in Tübingen noch mehr Begrünungen sein und dann wollen wir damit vielleicht so ein bisschen einen Startschuss setzen, aufklären, informieren – auch in Kooperation mit der Stadt Tübingen, die auch der Veranstalter sind und vielleicht haben wir dadurch die Möglichkeit, mehr Begrünungen umzusetzen", hofft Gunter Mann.
Mehr Begrünung wünscht sich auch der Klimabeauftragte Bernd Schott. Allerdings komme es dabei nicht alleine auf die Leistungen der Universitätsstadt an: "Also das ist ja hauptsächlich hier im Besitz von Privatpersonen, und auf die Idee müssen die Personen selber kommen. Wir beraten, wie das gut geht, aber umsetzen muss dann die Privatperson selber", so Schott.
Ob die Ideen für Fassadenbegrünung in Tübingen auf fruchtbaren Boden fallen, sehen Bewohner und Besucher Tübingens spätestens, wenn weitere Pflanzen an Häuserfassaden der Universitätsstadt ranken.